Bericht SWA, Juli 2017

Grevenbrück. „Damals stand die Bühne etwas weiter hinten“, sagt einer, der es wissen muss. Damals – das war in den 1970er und frühen 1980er Jahren – diente das Gelände in den Veischede-Wiesen in Grevenbrück alljährlich als Anlaufstation für tausende von musikbegeisterten Festivalbesuchern bei „Folk in den Bergen“. Rolf Kluge war in dieser Zeit einer der Organisatoren dieses weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Musik-Events. Auch bei der Neuauflage vor zwei Jahren anlässlich des 875-jährigen Ortsjubiläums von Grevenbrück war er nach mehr als 30 Jahren Festivalpause bei der Planung des „Revivals“ mit Rat und Tat dabei. Am 15. Juli waren die sonst so ruhigen und beschaulichen Wiesen wieder Schauplatz eines musikalischen Großereignisses. Diesmal läuft das Ganze allerdings unter dem neuen Motto „Maelo-Festival, Pop und Rock in den Bergen.“ Die beiden Organisatoren Bernhard Willmes und Alfons Neumann sind seit Tagen zusammen mit einer Hand voll Helfern dabei, für die erwarteten Besucher ein möglichst perfektes Festivalerlebnis vorzubereiten. Und das ist – auch dank der vielen heimischen Firmen, die sich als Sponsoren eingebracht haben – zu 100 Prozent gelungen. Bereits am Eingang weckt ein großes Transparent mit der Aufschrift „Maelodrom“ Vorfreude auf die Musik und macht neugierig auf das Drumherum.

Alles ist bestens organisiert. Ausreichend Parkplätze, Imbiss und Getränkestände mit fairen Preisen, Unterstände, falls das Wetter mal nicht mitspielt und auch saubere „stille Örtchen“ in unmittelbarer Nähe sind mehr als ausreichend vorhanden. Mit roten und blauen Scheinwerfen angestrahlte Bäume und andere liebevoll inszenierte Details, die der Besucher so gar nicht erwartet hat und deshalb umso erfreuter zur Kenntnis nimmt, sorgen für eine perfekte Festivalatmosphäre. Mit den ersten Musikern lässt sich dann auch noch die Sonne blicken und die letzten Wolken verschwinden. Rock, Reggae, Progressive Rock und Delta Blues haben die Veranstalter angekündigt. Das Publikum ist gemischt. In der Mehrzahl sind es aber die „Älteren“. Bei vielen erahnt man, dass hier jahrzehntelange Rock-Festival-Erfahrung zusammen gekommen ist. Los geht es mit den beiden heimischen Formationen „Rustics“ und „Bongen’s“. Sicher haben viele der Besucher die Bands schon einmal auf kleineren Bühnen und mit weniger Technik erlebt. Heute aber stellen sie eindrucksvoll unter Beweis, dass sie sich auch auf dem großen Parkett selbstbewusst und mit viel Spielfreude wohlfühlen. Jedes Instrument und die Stimmen kommen nuanciert beim Publikum an. Überhaupt ist die Tontechnik sensationell gut. Ob direkt an der Bühne oder im hinteren Teil des Geländes, überall hat man einen satten, glasklaren Sound, der trotzdem nicht auf die Ohren geht. Weiter geht es mit „Mother’s Cake“. Die österreichischen Musiker verbinden Einflüsse von Gruppen wie The Mars Volta und Red Hot Chili Peppers zu einer Mischung aus Funk und Hard Rock mit psychedelischen Sequenzen. Zwischenzeitlich liegt die Abenddämmerung über dem Festivalgelände, und als „My Baby“ aus Amsterdam auf der Bühne steht, kommt die Lichttechnik erstmals voll zur Geltung. Im bunten Scheinwerferlicht setzt die Frontfrau Cato van Dyck schon vor dem ersten Akkord mit langen Haaren, Shorts und E-Gitarre um die Hüfte erste Akzente. Was folgt ist eine Mischung aus Folk, akustischen Blues und Funk mit psychedelischen Elementen. Dank van Dycks hoher, sinnlicher Stimme treibenden Drums und Slide-Guitar entsteht eine Kombination, die sehr gut ankommt und zum Mittanzen animiert. Nach einer letzten Umbaupause ist die Nacht hereingebrochen. Mit „Jamaram“ kommt zum Abschluss eine Band auf die Bühne, die schon 2015 an gleicher Stelle für Furore gesorgt hat. Die Musik hat hohen Wiedererkennungswert. Mit Reggae & Rock’n’Roll begeistern sie das Publikum. Man hört den Songs an, dass sie hand- und herzgemacht sind. Dann ist Schluss. An den Getränkeständen lässt man den Festivalabend ausklingen. Zufriedene Gesichter. Am Sonntag danach um 9 Uhr ist nur einer schon wieder auf den Beinen: Bernhard Willmes räumt auf und zieht eine erste Bilanz: „Es hätten ein paar Leute mehr kommen können,
aber die, die hier waren, sind sehr zufrieden nach Hause gegangen. Viele, auch Besucher, die ich gar nicht näher kannte, haben mich angesprochen und sich für das tolle Festivalerlebnis bedankt. Das war schön.“
Text und Fotos: Rolf Schauerte